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Das etwa 20
par. Zoll hohe und 15 Zoll weite Glasgefäß füllt man zunächst am Boden
etwa 3 Zoll hoch mit Flusssand. Ein weiteres aus dem Steinreiche zu
entlehnendes Erfordernis - denn es vereinigen sich alle drei Reiche
im Aquarium - ist eine gehörige Anzahl größerer und kleinerer Stücke
von einem Kalksinter, welcher schon längst als Einfassung von Gartenbeeten
oder zu Miniaturfelsen auf Blumengestellen in Gebrauch und allgemein
bekannt ist.
Dieser schöne Stein, das Erzeugnis kalkhaltiger Quellen aus der jüngsten
erdgeschichtlichen Vorzeit, verleiht dem Aquarium nicht nur einen
großen Schmuck, sondern gewährt auch den Pflanzen und Tieren eine
erwünschte Stätte. Die Pflanzen treiben ihre Wurzeln in die vielen
röhrenartigen Zwischenräumen des Kalksinter, auch welchem vielen von
ihnen zugleich eine gedeihliche Nahrung ziehen, und kleiner Tiere
finden in demselben einen Zufluchtsort, wenn sie von größeren verfolgt
werden. Von größeren Kalksinterstücken baut man in der Mitte des Gefäßes
einen Felsen, von welcher mit seiner Spitze das Wasser hervorragt,
und, je nachdem man die Botanik oder die Zoologie vorherrschen lassen
will, für letzteren Fall sogar noch über den Rand des Gefäßes herausragen
kann. Die Porosität des Steins zeigt auch, in diese als Felseninsel
emporstehende Spitze fortwährend Wasser in die Höhe, so dass in ihren
Spalten und Risse gepflanzte Moose und andere kleinere Pflanzen freudig
wachsen und so dem Stein das Ansehen eines bebuschten Felsen en miniature
verleihen. Rings um den Fuß des kleinen Berges bedeckt man den Flusssand
mit kleinen höchstens faustgroßen Steinstücken oder kleinen Bachkieseln.
Sie geben nicht nur dem Boden das Ansehen eines felsigen Meeresboden,
sondern verhindern auch die Tiere, den Sand aufzuwühlen, wodurch das
Wasser getrübt werden würde.
Ehe ich weiter beschreibe, muss ich an meine Leser die Vorfrage richten,
ob sie ihrem Aquarium mehr einen landschaftlichen Charakter geben
wollen, oder ob es mehr das Ansehen eines Pflanzenkübels erhalten
soll.
Nehmen wir zunächst letzteren Fall an ( nach welchem der Holzschnitt
aufgefasst ist ), so muß in der Mitte des Gefäßes ein etwa 8 Zoll
hoher und 4 Zoll weiter walzenförmiger Korb, aus ungeschälten Weidenruten
weitläufig geflochten, gestellt werden, den man durch an Seite angelegte
Kalksinterstücken verdeckt. In diesen Korb setzen wir mit etwas Teichschlamm
einige größere Wasserpflanzen, die sich nun scheinbar aus dem Steinfelsen
hoch über die Wasserfläche erheben. Der Korb ist überflüssig, wenn
man aus passend geformten Steinen einen kleinen Krater für die Pflanzen
zusammenbauen kann. Ohne der Liebhaberei für Ausländisches wehren
zu wollen, so spreche ich doch in folgenden nur von einheimischen
Pflanzen denn ich räume der Fremde nur erst dann ein Recht ein, wenn
die Heimat sich als unzulänglich erweist. Und in der Tat bietet der
Spiegel unserer Sümpfe und verschilfter Teiche genug Pflanzen dar,
welche in das Aquarium versetzt sich sehr gut ausnehmen, ja welche
vielen meiner Leser und Leserinnen wegen ihrer zum Teil aber abenteuerlichen
Formen wie ausländische vorkommen werden. Zudem sind dese Pflanzen
überall zu finden, wo die Ihnen zusagende Örtlichkeit zu finden ist,
was in ganz Deutschland der Fall ist. Neben dem straußartig aus dem
Mittelpunkt des Gefäßes hervorwachsenden höheren Pflanzen kann man
teils in den Zwischenräumen der äußeren Steinumkleidung des Korbes,
teils in den Fugen am Boden verteilten Steine kleinere Pflanzen anbringen;
ja eine unserer schönsten Wasserpflanzen, der Froschbiß, Hydrocharis
morsus ranae, schwimmt gerne ganz frei auf dem Wasserspiegel, indem
sie ihre etwa fingerlangen, schön bewimperten Wurzeln in das Wasser
frei herabhängen lässt.
Als die für diese Einrichtung des Aquariums (als Pflanzenkübel) geeignetsten
Pflanzen, nenne ich folgende: 1. Das Pfeilkraut, Sagittaria sagittfolia,
nächst den gelben und weißen Seerosen unstreitig diejenige Pflanze,
welche dem landschaftlichen Charakter unserer Teiche und Lachen einen
geradehin tropischen Zug verleiht. Schon mancher wollte mir kaum glauben,
dass die Pflanze mit dem vollkommen einem Pfeile gleichenden Blatte
und den sonderbar dreiblättrigen Blümchen eine gemeine deutsche Wasserpflanze
sei. 2. Der Igelkolben, Sparganium ramosum. Auch dieses schilfartige
Gewächs mit den abenteuerlichen Blüten wächst beinahe in jedem Teiche
und ist doch außer Botanikern, Fischern und - Badenden den wenigsten
bekannt. 3. Der Froschlöffel, Alisma Plantago. Neben den pfeilförmigen
und den langen säbelförmigen Schilfblättern der beiden vorigen bietet
eine dritte Blattgestalt diese in jedem Graben wachsende Pflanze.
Ihre Blätter sind länglichrund. Ihr mit vielen Hunderten dreiblättriger
rosenroter Blüten übersäter Blütenschaft bildet ein zwei Fuß hohes,
ungemein zierlich und leicht verästeltes Bäumchen. 4. Das Riedgras
oder Segge, Carex. Von dieser artenreichen Gattung sollte man stets
jenen dreien Gewächsen eine ihrer größten Arten beigesellen, namentlich
C. stricta, limosa, vesicaria, ampullacea oder Pseudocyperus. Die
ansehnlichen, äußerst zierlich aus zahlreichen Schlauchfrüchten zusammengesetzten
weiblichen Blütenähren, welche auf zarten Stielen bogig überhängen,
werden vielen zum ersten Male zu Gesicht kommen, da diese schönen
Gräser meist an unzugänglichen Stellen sich verbergen.
Diese vier Pflanzen reichen zu einer Gruppe vollkommen aus; ich nenne
jedoch noch einige, welche sich ebenfalls dazu eignen.
5. Die Wasserviole, Butomus umbellatus. Die hat über 1 Elle lange
aufrecht stehende bandförmige Blätter und auf hohem Schafte reiche
Dolde violetter Blüten. 6. Sumpfschlangenkraut, Calla palustris, die
Gattungsschwester des bekannten Aronstabes, Calla aethopcia; jedoch
niedriger beleibend und mit herzförmigen Blättern. 7. Die Sumpfbrunnenkresse
Nasturtium palustre; sie empfiehlt sich durch ihre fein fiederspaltigen
Blätter und findet sich überall in Gräben. Gar nicht oder nur wenig
treten über den Wasserspiegel empor. 8. Die Wassernuss, Trapa natans,
eine zierliche auf dem Wasser schwimmende Blattrosette bildend. 9.
Das Hornblatt, Ceratophyllum demersum. 10. Das krausblättrige Laichkraut,
Pota mogeton crispus. 11. Der Wasserstern, Callitriche verna. 12.
Der Froschbiss, Hydrochatis morsusu ranae.
Soll das Aquarium vorzugsweise eine kleine botanische Garteninsel
für möglichst viele Sumpf- und Wasserpflanzen werden, mit nur beschränktem
Spielraum für die Fischchen am Umfange des Steinbeetes, wozu der Kalksinter
so sehr passende Gelegenheit bietet, so wähle man auch nachbenannten
Pflanzen, die fast überall auf den deutschen Moorbrüchen wachsen:
13. Der Fieberklee, Menianthes trifoliata, eine unserer schönsten
deutschen Pflanzen mit einem schlanken Schafte welcher hyazinthenähnliche,
blenden weiße, inwenig zart bebartete Blumen trägt. 14. Das Vergissmeinnicht,
Myosotis palustris. 15. Der Gagel, Myrica massia palustris, eine wunderschöne
Blume. 17. Die Kriechweide, Salix repens, ein astreiches Weidenbüschchen,
welches nicht über eine Spanne hoch wird. 18. Swertia perennis mit
dunkelblauer Sternblume. 19. Die Sumpftofieldie, Tofielda palustries.
20. Mehrere Orchisarten, z. B. Orchis viridis, conopsen, palsutris
u. a. 21. Die Sumpfheidelbeere, Vaccinium oxycoccos, ein zarter kriechender
Strauch mit fadendünnen Stämmchen und rosenroten Blüten. 22. Die Bärenwurzel,
Meumathamanticum, eine kleine Dolde mit haarfeinen, tausendfältig
zerschlissenen Blättern. 23. Das Siebenfingerkraut, Cmarum palustre,
mit schönen aus sieben Blättchen zusammengesetzten Blättern und schwarzroter
Blume. 24. Die Rauschbeere, Empetrum nigrum, ein höchst zierlicher,
dicht mit kleinen Blättchen bedeckter, kleiner Strauch von Fingerlänge-
25. Moorheide, Erica Tetralix, den capischen Heiden unserer Gewächshäuser
nicht nachstehend. 26. Der Wassernabel, Hydrocotyle vulgaris, ein
zartes Gewächs mit kreisrunden, sonnenschirmartig auf dem Blattstiele
sitzenden Blättern. 27. Die Borstbinse, Scirpus setaceus, ein äußerst
zartes Gras, welche dichte kleine Rasen bildet.
Unser Aquarium ist vielleicht auch berufen, unsere zarteste deutsche
Pflanze, welche ihren fast märchenhaft lautenden Namen, Sonnentau,
Drosera rotundifolia, mit Fug und Recht trägt, von ihrem für die Spaziergänger
fast unzugänglichen Standorte in unserem Zimmer zu versetzen. Diese
reizende Gewächs wächst immer auf den wassergetränkten Moospolstern
mooriger Wiesen und würde ohne Zweifel, mit einem Moosbüschel zugleich
ausgehoben und mit diesem in das Aquarium versetzt, in diesem gedeihen
und, was man fest behaupten darf, staunendes Erzücken erregen. Überhaupt
ist es Freunden der kleinen, meist so zierlichen Pflanzenformen anzuraten.
Im Aquarium ein nur 1-2 Zoll über dem Wasserspiegel emporragendes
steinumfriedigtes Moorbett für diese einzurichten. Endlich sind noch
einige höhere Gewächse nachzutragen, welche namentlich im Frühjahr
das Aquarium schmücken: 28. Die Dotterblume, Caltha palustris, welche
als kräftiger voller Stock mit seinen großen dottergelben Blumen im
März und April dem Aquarium einen schönen Schmuck verleiht. 29. Die
Waldbinse, Scirpus silvaticus. 30. Die Wollgräser, Eriphorum latifolium,
augustfolium und vaginatum, zieren nach dem Verblühen ihren Standort
durch die blendenweißen Wollbüschel der Fruchtähren. 31. Die gelbe
Schwertlilie, Iris Pseudoacorus.
Ist eine der Auswahl aus den genannten 31. Pflanzen getroffen und
dieselben teils auf dem Grunde, teils in den Fugen des Mittelfelsens
und in dem Korbe im Inneren dieses nur mit wenig Schlammerde eingepflanzt,
so füllt man das Gefäß bis etwa 3-4 Zoll unter dem Rande mit Fluss-
oder Bachwasser. Um nicht zu lange Zeit ein trübes Wasser zu haben,
gießt man es natürlich ruhig und langsam ein, womöglich so, dass es
gegen die innere Wand des Gefäßes strömt, und von dieser breit auf
den Boden abfließt. Am besten bedient man sich beim Ein- und Ausgießen
des Wassers eines Guttaperchaschlauches als Heber.
Der Kalksinter enthält oft, namentlich wenn es Stücken sind, die nicht
frisch gebrochen wurden, sondern vielleicht schon lange Zeit am Boden
der Witterung ausgesetzt gelegen haben, in seinen Zwischenräumen Erde
und Staub, welche man mit einer Bürste oder einem kleinen Besen von
Birkenreisern vorher auswaschen muss, damit nicht das Wasser lange
Zeit dadurch getrübt wird, indem sich diese anhängende Masse erst
nach und nach ablöst. Hat man kein Flusswasser zur Hand, so kann man
auch reines Brunnenwasser nehmen, dessen Kohlensäure zwar sofort etwas
von dem Kalk auflösen und das Wasser für einige Stunden etwas milchig
machen wird, worauf sich aber die dadurch gebildete, sehr geringe
Menge weißen Kalkpulvers auf dem Boden niederschlagen wird, so dass
der Niederschlag nicht einmal als weiße Farbe darauf sichtbar bleibt.
Hier entwickelt sich anfangs, sehr lebhaft der bekannte Kalkgeruch,
der aber bald verschwindet. Nach dem Einfüllen des Wassers auf dessen
Oberfläche schwimmenden Körperchen, entfernt man leicht, indem man
die Hand in das Wasser taucht, an der dieselben, wenn man sie wieder
herauszieht, hängen bleiben. Man spült sie dann von der Hand in einem
anderen mit Wasser gefülltem Gefäß ab.
Wenn wir nun die Anlegung des Aquariums mehr in den landschaftlichen
Charakter auffassen, haben wir manche der genannten Pflanzen zu vermeiden
und einige andere hinzuzufügen. Wir werden dabei den Busch in der
Mitte ganz wegzulassen haben, vielmehr in der Mitte eine womöglich
mehrkuppige kleine Felseninsel auftürmen und bis vielleicht 5-8 Zoll
über dem Randes Gefäßes herausragen lassen. Es ist dabei maßgebend,
ob die Porosität des Kalksinter imstande ist, das Wasser so hoch über
dem Spiegel desselben emporzusaugen, denn im entgegengesetztem Falle
würde man die Steine weniger über das Wasser herausstehen lassen dürfen,
da dieselben durch und durch immer feucht sein müssen. Es ist gut,
wenn zu dieser Auffassung zunächst das untere Fünftel der Höhe des
Gefäßes, welche der engste Teil desselben ist mit groben Flusssand
ausfüllt und dann erst auf dieselben den Kalksinterfelsen aufführt,
wobei man am wenigsten vergessen darf, die ganze, nun beträchtlichere
Grundfläche mit kleineren Brocken von Sinter zu belegen. Hat man dazu
ein sehr weites Gefäß, so dass man vielleicht über eine runde Bodenfläche
von einer Elle Durchmesser zu verfügen hat, lässt sich auf dem sandigen
Grunde leicht ein Miniaturbild von untermeerischen Gebirgszügen und
dazwischenliegenden sandigen Ebenen darstellen. Sechs pariser Zoll
Wassertiefe ist dann hinreichend, damit die kleinen Felsenpartien
nicht zu tief im Wasser stehen und an ihren Seiten und auf den Kuppen
mir passenden Gewächsen bepflanzt werden können. Hierzu eignen sich
nun ganz vorzüglich einige unserer deutschen Farrenkräuter, deren
Wurzelstock selbst im Wasser stehen darf, jedoch nur so tief, dass
die sich bildenden jungen Wedel sogleich aus dem Wasser heraustreten
können. Von unseren Farren sind am tauglichsten 32. und 33. die beiden
Tüpfelfarren, Polypodium Dryopteris und P. Phegopteris; für eine Stelle
über dem Wasser auch 34. P. vulgare, ebenso der in den westlichen
Teilen Deutschlands vorkommende 35. Ceterrach, Ceterrach officinarum,
36. der Rippenfarren, Blechnum Spicant, 37. die Mauerraute, Asplenium
ruta muraria, und 38. der schöne Haarfarren, Asplenium Trichomanes.
Ganz vorzüglich durch die zarte Zerteilung des Laubes empfiehlt sich
auch ( jedoch nicht tief unter dem Wasserspiegel zu bringen ) 39.
der zerbrechliche Blasenfarren, Cystopteris fragilis. Will man vielleicht
aus der Felspartie in der Mitten einen größeren Farrenbusch seinen
schönen Fächer entfalten lasse, so dient dazu irgendeine Art der Schildfarren,
Aspidium, vor allem 40. A. Thelypteris und A. Oreopteris, welche auch
eine tiefe Einsenkung ihres Wurzelstocks unter Wasser vertragen: dasselbe
gilt 42. von dem prachtvollen Königsfarren, Osmunda regalis, welcher
auf Moorwiesen und in moorigen Waldungen an vielen Orten Deutschlands
vorkommt.
So können wir die ganze Pflanzenwelt unseres Landschafts-Aquarium
aus lauter Farrenkräuter herstellen. Das lebhafte Grün der vielgestaltigen
Wedel ( so nennt man das Laub der Farrenkräuter ), die zierlichen
Fruchthäufchen auf deren Rückseite ohne sich einmischende Blütenformen
bringen einen eigentümlichen fast fremdländischen Charakter hervor.
Erinnert uns unwillkürlich an jene Pflanzenwelt aus deren Überresten
sich unsere mächtigen Steinkohlenlager gebildet haben, und in welcher
die Farrenkräuter, freilich meist als ansehnliche Bäume, den Hauptzug
bildeten. Dann dürfen wir aber, umd die Ähnlichkeit vollständig zu
machen, 43. den Waldschafthalm, Equisetum silvaticum, nicht vergessen,
dessen quirlartig verästelte Stengel die elegantesten Bäume bilden.
Er verträgt den Stand im Schlamm sehr gut.
Will man auch einige andere Gewächse zwischen den Farren verteilen,
so empfiehlt sich dazu von den aufgezählten ganz besonders Nr. 21,
22, 24, 25, 26, 27.
Von allen diesen für die landschaftliche Gruppierung aufgezählten
Pflanzen wähle man kleine Exemplare aus, die man mit ein wenig Moorerde
in passende Grübchen und Fugen der Steine locker einbettet.
Noch ist aber eines wesentlichen Schmuckes zu gedenken: Der Wassermoose.
Ziemlich viele Arten unserer Laubmoose wachsen entweder geradezu im
Wasser, namentlich in steinigen Bächen, oder wenigstens auf moorigen
Wiesen und gedeihen dann auch sehr gut in dem Wasser unseren Aquariums.
Namentlich in gebirgigen Waldgegenden wird man leicht solche Moose
selbst auffinden, die man dann mit den Steinchen, an denen sie fest
sitzen, einsammelt, und ohne sie dann unterwegs vertrocknen zu lassen,
in das Gefäß bringt. Ich nenne, obgleich hier eine namentliche Bezeichnung
kaum nötig ist, 44. bis 46. mehrere Astmoose, namentlich Hypnum riparium,
H.. palustre und H. alpecurum zbd 47. das Drehmoos Funaria hygrometrica.
In die Fugen der feuchten Oberfläche der Steine passen 48., 49. die
Sternmoose, Mnimum cupidatum, und punctatum 50. der graue Gabelzahn
, Dicranum glaucum, und 51. einiger der kürzeren Arten der Gattung
Wiederthon, Polytrichum.
Endlich sind zum Schluss der Pflanzenwelt noch die Algen zu erwähnen,
jeden bekannten grünen Fadenschöpfe der Bäche und Mühlengerinne. Man
wähle solche, welche im Wasser an den Steinen und Baumwurzeln festsitzen,
da diese am meisten einen regelmäßigen schopfartigen Wuchs haben.
Alte Mühlräder werden am leichtesten einen Vorrat liefern.
Wir gehen nun zur Tierwelt unseres Aquariums über. Wollen wir in diesem
den Pflanzenschmuck vorherrschen lassen, so werden wir uns mit wenigen
Arten von Tieren begnügen müssen, indem natürlich diejenigen zu vermeiden
sind, welche von den Pflanzenwurzeln und Blättern leben. Dahin gehören
vor allen alle, wenigsten die größeren pflanzenfressenden Wasserschnecken.
Da aber dieser gerade durch ihre Lebensweise viel Unterhaltung und
Belehrung bieten, so kann man wenigsten einige wenige aufnehmen. Diese
großen Arten sind die große Schlammschnecke, Limnaeus stagnalis, und
die hornfarbige Tellerschnecke. Im Frühjahr legen sie ihre kristallhellen
gallertartigen Eierlaich an den Glaswänden ab, und man kann dann mit
einer einfachen Lupe die Entwicklung der jungen Schneckchen von Tag
zu Tag verfolgen. Aus dem winzigen hellgelben Dotterkügelchen entwickelt
sich in einigen Wochen unter fortwährender langsamer Achsdrehung die
kleine Schnecke mit dem Gehäuschen innerhalb eines Eierfaches im Laiche.
Unsere beiden großen Sumpfschnecken: Paludina vivipara und fasciata
sind fleischfressend und daher den Pflanzen nicht nachteilig. Sie
reinigen im Gegenteil das Wasser von allerhand tierischen Abfällen.
Sie bringen lebendige Junge zur Welt von Erbsengröße, und diese haben
gleich ein Gehäuse von vier Umgängen. Die Sumpfschnecken können die
Mündung ihres Gehäuses hinter sich mit einem hornartigen Deckel fest
verschließen. Neben diesen großen Arten wimmeln die meisten Wiesengräben
und sumpfigen Lachen von einer Menge kleiner Schneckenarten und auch
einigen kleinen erbsengroßen Muscheln, von denen man viele aufnehmen
kann. Die Tiere, deren zierliche Gehäuse sehr mannigfaltige Gestalten
haben, bevölkern die Wände des Gefäßes auf eine angenehme Weise. Größere
Muscheln, namentlich die Teichmuschel, Anodonta, und Flussperlenmuscheln,
Unio, darf man nur aufnehmen, wenn das Tierreich vorherrschen soll,
weil sie meist ohne Unterlass, freilich langsam wie der Zeiger der
Uhr, den Grund durchfurchen und daher die Pflanzen aufwühlen.
Ich schalte hier die Jagd nach kleinen Schnecken und anderen kleinen
Wassertieren ein. Sie ist nichts weniger als umständlich und zeitraubend.
Man kann sie auf verschiedene Weise ausführen. Mit einem großem weißem
sogenannten Zucker- oder Einmachglase geht man aus und sucht einen
mit Pflanzen durchwachsenen und viel abgestorbene Blätter auf seinen
Grunde enthaltenen Wiesengraben, oder eine solche Lache oder Sumpf.
Mit der Hand oder einem Haken nimmt man aufs Geratewohl einige Klumpen
von verwesenden Blätter und Wasserpflanzen und Stengelstückchen, die
den Boden bilden, herauf und tut sie in das mit Wasser gefüllte Glas.
Nachdem man den Brei etwas umgerührt hat, wodurch die darin enthaltenen
Tiere sich in dem Wasser verteilen, so schöpft man, ehe sie zu Boden
sinken, die entvölkerten Blätter heraus. Die übrigen in dem Wasser
verteilten Dinge fallen zu Boden, während sich die Schnecken nach
und nach alle an den Wänden des Glase versammeln, von denen man sie
leicht abnehmen kann. Besonders ergiebig ist die Jagd wenn man in
heißem Wetter einen Graben findet, welcher durch Austrocknung das
Wasser ziemlich ganz verloren hat. Dann finden sich die Schnecken
gewöhnlich in großer Menge in den noch nassen Blättern, welche recht
eigentlich einen verfaulenden Blätterteig am Boden bilden. Dann kann
man auch, wenn man das Glas nicht zur Hand, solche halbtrockene Klumpen
zu Hause entvölkern. Eine andere Art der Jagd auf kleine Wassertiere
geschieht mit einem Schmetterlingsnetz. In diesem wäscht man jene
Blätterklumpen unter Wasser aus, wobei sich alle Tiere unten im Zipfel
des Netzes ansammeln, während man die Blätter oben wieder herausfischt.
Die gefangenen Tiere nimmt man ohne Wasser, bloß nass, in einem kleineren
Glase, welches man dann mit etwas Moos locker zustopft oder in einer
gebundenen, nicht geleimten Schachtel mit nach Hause nimmt. Das Wasser
würde selbst auf einem nur eine halbe Stunden langen Heimwege warm
und faulig und für die Tiere tödlich werden.
Bei dieser Jagd hat der, welcher sie zum ersten Male machte, ohne
es zu ahnen, zugleich eine Menge andere Tiere erwischt, von denen
viele in das Aquarium gehören. Auch nur ein Teil der selben hier namentlich
aufzuzählen würde zu weit führen. Das Aquarium, wenn es dabei vorzugsweise
auf tierisches Leben abgesehen ist, ist eben eine wahre Wasser-Menagerie,
welche dem Freunde der Natur eine Menge kleine Geheimnisse, noch nicht
gesehene Tiere, vor Augen führen wird. Zu entfernen sind von der unwillkürlichen
Beute, die großen Wasserkäfer (namentlich Dytiscus marginalis und
andere) und die Blutegel, weil beide den größeren Tieren und auch
den Schnecken nachstellen. Sicherlich hat uns ein solcher Fischzug
auch einige Larven der Köcherjungfern (Phryganea) verschafft. Sie
sind vor allen Dingen zu beachten, denn sie sind geschickte Mosaikarbeiterinnen.
Jede baut sich nach ihrer Art entweder von kleinen Rinden-, Holz-
und Blattstückchen oder aus kleinen Schnecken- und Muschelschalen
ein einen Zoll langes und längeres köcherförmiges Gehäuse, was sie
immer mit sich herumschleppt. Vielleicht schwärmt eines Tages eine
prächtige Libelle in unserem Zimmer herum, die wir als Puppe im Wasser
auch mit eingefangen haben. Die Köcherjungfern sind weniger schön
geflügelte Schwestern der Liebellen.
Zu den Fischen übergehend, haben wir unser Aquarium vor den räuberischen
Fischen zu bewahren, den Forellen, Hechten und Barschen. Kleine Samenfischchen
aller Art eigenen sich, denn der Fisch streckt sich nach der Decke
und bleibt im kleinen Lebensraume ein Zwerg. Dies beweist der Goldfisch,
eigentlich ein Karpfen, Cyprinus auratus, der in Bassins auch über
ein Fuß lang wird, in unseren Gläsern aber in zehn Jahren nicht merklich
wächst und höchstens vier bis fünf Zoll lang wird. Nebenbei gesagt,
ist der Goldfisch, von Nationalität ein Chinese, der einzige aus fremdem
Weltteilen bei uns eingeführte Fisch. Wir füttern unsere Fischchen,
aber ja nicht zu reichlich, mit gedörrten Ameiseneieren (wenn es nicht
eine Schande für einen Naturforscher ist, die Ameisenpuppen Eier zu
nennen), weißen Oblaten, Brotkrümchen u. dergl. Sie finden außerdem
mancherlei zu leben auf dem Grunde des Gefäßes, auf welchem sich mit
der Zeit, wie in der freien Natur, als Beute für solches Getier kleine
Pflänzchen und Tierchen einfinden. Die kleinen Ellritzen, die in einem
Gefäße von der angegebenen Größe zu Hundert Platz haben, bilden ein
sich munter umhertummelndes Fischpublikum neben den bedächtigen in
Gold gekleideten Chinesen. Bringen wir als Wetterpropheten einen Wetterfisch,
Cobitis fossilis, mit in das Aquarium, so müssen wir seinetwegen eine
Stelle des Sandgrundes frei von Steinen lassen, damit er darin herumwühlen
kann.
Wir kommen nun zu den Lurchen, wie wir echt deutsch die Amphibien
nennen wollen. Leider herrscht vor ihnen ein grundloses Vorurteil
bei den Leuten, welches einzig und allein bei der Kreuzotter oder
Viper kein grundloses ist, obgleich ich die hässliche Kröte mit ihrem
scharfen, aber durchaus nicht giftigen Harn durchaus nicht liebenswürdig
wie das Fischchen nennen will. Aber die harmlosen Molche, namentlich
die kleinen sogenannten Teichsalamander, Triton cinereus, mit den
schönen Hautkamm über Rücken und Schwanz, gehören notwendig in das
Aquarium, welches wie ihretwegen nicht zu hoch mit Wasser füllen dürfen,
da sie sonst gerne herausklettern. Soll die Botanik in dem Aquarium
die Hauptrolle spielen, so müssen die Molche leider wegbleiben, weil
sie gern an den zarten Stämmchen, z. B. der Farrenkräuter, in die
Höhe klettern und sie dann umknicken.
Das wäre nun ungefähr das Leben für unser Aquarium. Aber wird darin
auch Leben bleiben? Wird es uns nicht viel Sorge und Mühe machen,
es zu erhalten? Wie oft müssen wir das Wasser erneuern? Antwort: Niemals.
Wenn die Pflanzen recht freudig gedeihen, so saugen sie mit ihren
Wurzeln alle fauligen Stoffe auf, welche von dem Abgang der Tiere
dem Wasser beimischen. In diesem Augenblick steht neben dem Arbeitstisch,
an welchem dies geschrieben wurde, seit sechs Monaten ein großes Aquarium,
ohne dass das Wasser einmal erneuert wäre. Nur zuweilen nachzufüllen
hat man das, was durch die Verdunstung verloren geht. Doch weise man
dem Süßwasseraquarium seinen Platz nicht an einem Fenster ein, dass
von der Sonne stark und lange beschienen werden kann, damit das Wasser
darin nicht zu stark erwärmt werde. Größere Leichen - tote Fische
entgehen der Aufmerksamkeit nicht, weil sie sofort auf der Seite liegend,
oben auf schwimmend - kann man leicht entfernen, ehe sie faulen. Gleichwohl
sind in meinem Aquarium in der angegeben Zeit wenigsten zehn größere
Schnecken gestorben und verfault, deren leere Gehäuse nun am Boden
liegen. Ein Fisch ist darin noch nicht gestorben. Was das Tierleben
gefährden könnte, wird sofort von den Pflanzen als gedeihliche Nahrung
aufgenommen.
Dem Hornblatt (9), was langen Fichtentrieben ähnelt und sich in jedem
Teiche findet, glaube ich vorzüglich das Gedeihen meines Aquariums
zu schreiben zu müssen. Den im Oktober vorigen Jahres hineingelegte
abgerissene fingerlange Stengel desselben sind seit dem zu ellenlangen,
armleuchterähnlich beblätterten Girlanden erwachsen, welche im Licht
ununterbrochen kleine Perlen von Sauerstoff austreten lassen und dadurch
sowie wahrscheinlich durch eine lebhafte Einsaugung von Kohlensäure
das Wasser für die Tiere atembar halten. Gleichgute Dienste würde
ohne Zweifel die schwimmende Salvinie, Salvinia natans, leisten ein
sehr niedlicher Wasserfarren, welcher sich in manchen Gegenden Deutschlands
häufig auf dem Wasserspiegel großer Sümpfe findet.
So möge denn diese das reichhaltige Thema, welches dem eigenen Nachdenken
und Erfinden immer noch Spielraum genug lässt, nur teilweise erschöpfende
Mitteilung etwas dazu beitragen, die Freude an der Natur zu unterstützen.
Das Aquarium ist im häuslichen Familienkreise ein wirksames Mittel,
die Kinderwelt an den vertrauten Umgang mit der Natur zu gewöhnen.
Spielschulen und Kindergärten, ja jede gute Schule sollte sich dieses
Mittel bedienen. Es schärft das Auge und längt die Beobachtungsgabe
auf ein bisher von der Menge unbeachtet gelassenes Feld. Die Entwicklungsgeschichte
der Schnecken, vieler Insekten, der froschartigen Lurche, gewährt
nicht bloß dem wissbegierigen Auge des Kindes eine angenehme Unterhaltung,
sondern vermittelt nützliches Wissen.
Dem See-Aquarium gegenüber hat das unsrige ganz entschieden einen
Vorzug, den der Verbindung des unter dem Wasserspiegel sich erhebenden
Grün der Gewächse, während im See-Aquarium alles unter Wasser bleiben
muss.
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