Der
Guppybach bei Köln
Neues vom „Guppybach bei Köln“
von
Andrea Bernd
06.10.02
Erstmalig erwähnt in der TI Nr. 42. Dieses Heftchen wurde vierteljährlich von Hans Baensch/Tetra herausgegeben. Redakteur war Prof. Dr. Werner Ladiges. Der Artikel von Franz-Peter Müllenholz war mit Unglauben aus der Redaktion bedacht worden. Nach seinem Bericht hat Müllenholz den Guppystandort erstmals am 13. 03.1977 entdeckt. Ein Artikel in der DATZ 3/2002 von Michael Kempkes beweist, das diese Population schon seit mindestens 25 Jahren stabil ist.
05.10.02
Nun, als ich am Sonntag den 05.10.02 den Guppybach besuchte,
musste ich feststellen, das er nicht mehr den Beschreibungen von Michael Kempkes
(Autor des o.g. Artikels) entspricht. Die Ufer sind nicht mehr flach, sondern
mindestens 20-30cm tief, in der Mitte ist der Bach gut 50cm tief. Auch konnte
ich die Steine am Ufer, zwischen denen die Guppys leben sollten, nicht mehr
finden. Die Ufer sind lehmig bis sandig, von der starken Strömung unterhöhlt
und es sind auch wenige strömungsärmere Zonen vorhanden. In dem Zuleitungsrohr
selbst konnte ich juvenile und semiadulte Bachforellen schwimmen sehen. Der
Bach ist klar und ohne Wasserpflanzen, bei einer Fliessgeschwindigkeit von
ca. einem Meter pro Sekunde.
Offensichtlich war der Bach von dem Hochwasser nicht verschont
geblieben, denn in ca. 1,20m Höhe, von der Wasseroberfläche ausgehend, konnte
ich Pflanzenteile in den Büschen finden, die in typischer Hochwassermanier
im Astwerk hingen. Anscheinend haben die Guppys es geschafft dem Hochwasser
mit einer wahrscheinlich vielfach höheren Fliessgeschwindigkeit zu trotzen.
Einige im Wasser liegende Zweige von Holunder bildeten nun
das Revier der Guppys. Ich konnte Guppys nur im ersten Teil der Warmwassereinleitung
finden. Eine kurze Strecke weiter, war das Wasser bereits zu kalt. Die Guppys
haben sich ausschließlich an der Seite des Baches aufgehalten, an der das
Warmwasser vorbeiströmte. Eine Vermischung des Warmwassers mit dem Bachwasser
hat dort noch kaum stattgefunden. So kann man annehmen, dass die Wasserwerte
vor dem Einlauf und auch eine weitere Strecke flussabwärts, von denen am Guppy-Standort
gemessenen, unterscheiden. Die Werte an der Stelle an denen die Guppys sich
aufhalten sind pH 8, gH 15, kH 7, NO3 10 und NO2 n.n.. Die Temperatur beträgt
angenehme 23°C.
Angenehm deshalb, weil man bei Unterschätzung der Wassertiefe
und im Eifer des Gefechts die Gummistiefel schnell voll warmen Wasser hat.
Erst wenn man dann mit vollen, aber warmen Stiefeln, Netzen und Gefäßen mit
Wasser die glitschige Böschung wieder herauf muss, wird es dann wirklich unangenehm.
Auch ist der hauseigene „Fischtransportfahrer“ nicht gerade begeistert, wenn
man mit schlammstarrenden, mit Wasser gefüllten Stiefeln vor dem neuen (gerade
mal wieder frisch gewaschenen) Auto steht und, mittlerweile zitternd, um Einlass
fleht.
Die Guppys halten sich am Ufer zwischen den Ästen und Blättern
der Pappelzweige auf. Die Strömung ist hier nur unbedeutend langsamer als
in der Mitte des Baches. Sie zeigen das typische rheotaktische Strömungsschwimmverhalten.
Dabei flattern sie nicht wie die Zuchtformen hauptsächlich mit dem Schwanz,
sondern schwimmen mit Hilfe ihrer gesamten Stammmuskulatur. Die adulten Fische
waren kaum zu beobachten, da sie sofort flüchteten. Allerdings konnte ich
unter den Überhängen winzige neugeborene Jungtiere fangen, die das Vorhandensein
der Alttiere beweisen. Halberwachsene Tiere fanden sich in größeren Mengen
im Astwerk des Pappelzweiges.
Ich habe dann, unter vorher bereits beschriebenen Bedingungen,
acht Jungtiere, vier winzige und vier semiadulte, mit nach Hause genommen.
Nachdem ich sie langsam (ca. eine Stunde) an das neue Wasser gewöhnt habe,
schwimmen sie nun seit einem Tag munter in einem kleinen Becken mit Steinen,
Wasserpest und Brasilianischem Wassernabel. Obwohl ich in dem Bach keine submerse
Flora finden konnte, denke ich, das die flutenden Stängel der Pflanzen die
Überhänge des Ufers ersetzen können. Natürlich habe ich eine etwas stärkere
Strömung als in einem normalen Guppy-Becken installiert.
Während der Eingewöhnungszeit habe ich das Wasser getestet.
Da ich das erst zu Hause gemacht habe, verzichtete ich auf einen Sauerstofftest.
Den werde ich aber das nächste Mal vor Ort nachholen. Zum Testen habe ich
Sera-Tropftests verwendet und das Ergebnis mit einem Tetra-Teststreifen verifiziert.
Da die Ergebnisse sich nicht sehr von meinem Leitungswasser
unterscheiden (pH 7.2, gH 12, kH 8, NO3 20 und NO2 n.n.) denke ich, dass die
Fische sich leicht umgewöhnen werden.
Die Jungtiere sind, wie bereits von M. Kempkes beschrieben,
schlecht genährt. Erstaunlicherweise haben die kleinsten Jungtiere sich gleich
auf das angebotene Trockenfutter gestürzt. Offensichtlich sind sie noch nicht
auf eine bestimmte Futtersorte festgelegt. Je größer das Tier, um so langsamer
ging es an das Futter heran. Interessant ist auch das Fressverhalten. Die
größeren Jungtiere stürzen sich regelrecht, in einem für Guppys unglaublichen
Tempo, auf ihre Beute. Sie sehen dabei geradezu wie kleine Raubfische aus.